Frachtschiff Emsmoon rammte Friesenbrücke in Weener

(Artikel wird weiterhin mit Bildern und Daten aktualisiert)

Am heutigen Donnerstag rammte das Frachtschiff Emsmoon kurz nach dem Auslaufen in Papenburg um ca. 18:00 Uhr die Friesenbrücke in Weener auf der Ems. Dabei wurde die Friesenbrücke erheblich beschädigt, sodass die Brücke gesperrt wurde und auch der Zugverkehr zwischen Leer (Deutschland) und Groningen (Niederlande) für längere Zeit nicht mehr möglich sein wird.

Nach aktuellen Meldungen gab es keine Personenschäden durch die Kollision. Die Emsmoon wurde anschließend durch einen Schlepper von der Friesenbrücke befreit und zurück in den 8 km entfernten Papenburger Industriehafen-Süd gebracht. Die Schäden am Frachtschiff sind augenscheinlich nicht so erheblich, wie es an der Brücke der Fall ist.

Die Friesenbrücke in Weener wird Hauptsächlich für den Zugverkehr zwischen den Niederlanden und Deutschland genutzt. Die Brücke ermöglicht es zudem Fußgängern, die Ems zwischen Weener und Westoverledingen zu überqueren. Für die Passage von größeren Booten und Schiffen wird die Brücke geöffnet, wodurch eine ca. 25 Meter breite Öffnung entsteht. Bei Schiffsüberführungen der Meyer Werft in Papenburg werden sogar ganze Segmente aus der Brücke gehoben. Der Betrieb und die Unterhaltung der Friesenbrücke wird durch die Deutsche Bahn AG durchgeführt.

Der Frachter Emsmoon wurde im Jahr 2000 von der Ferus Smit Werft gebaut und gehört zur Flotte der Grona Shipping GmbH aus Papenburg. Das Frachtschiff hat eine BRZ von 4503, eine Länge von ca. 112 Metern, eine Breite von 15 Metern und einen Tiefgang von 6,38 Metern, wenn es voll beladen ist. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei ca. 12 Knoten (ca. 22 km/h).

Update 04.12.2015:

Das Wichtigste zuerst: die Wasserschutzpolizei Emden hat bekanntgegeben, dass keine Personenschäden gemeldet worden sind. Die Beschädigungen und Verformungen an der Brücke scheinen jedoch so erheblich zu sein, dass ein Neubau der Brücke erforderlich sein wird. Dies kann folglich mehrere Jahre dauern, wodurch auch der Bahnverkehr in dieser Zeit nur eingeschränkt möglich sein wird. Damit steht nun auch bereits fest, dass der Neubau und die Folgekosten einige Millionen Euro kosten werden. Kurzfristig wurde an dieser Stelle auf der Ems auch die Passage des Schiffsverkehrs eingeschränkt. Sobald mit Sonargeräten und Tauchern festgestellt wurde, dass keine Gefahr durch Wrackteile mehr besteht, soll ein Teil der Brücke angehoben werden, sodass der Schiffsverkehr wieder ohne Einschränkungen möglich sein wird.

Laut der Wasserschutzpolizei Emden soll die Friesenbrücke während der Havarie wahrscheinlich nicht geöffnet gewesen sein. Die Ermittlungen dauern an.

Update 16.12.2015:

Das abgerissene Brückensegment befindet sich ca. seit dem 11.12.2015 im Leeraner Hafen bei der Recycling-Firma INTERSEROH Evert Heeren.

Update 26.03.2016:

Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittelt aktuell noch zur Unfallursache. Allerdings wurde der Stimmrekorder erfolgreich ausgewertet. Weiterhin stehen der Emslotse und der russische Kapitän der Emsmoon im Blickpunkt der Ermittlungen.
Wegen der Ems-Überführung der Ovation of the Seas wurde das dafür demontierte Mittelteil der Friesenbrücke nach der Überführung nicht wieder montiert, sondern nach Papenburg zur Meyer Werft transportiert. Dadurch entfällt die reguläre Demontage/Montage für die nächsten Überführungen. Dieser Umstand zeigt jedoch auch, dass keine baldige Lösung für eine Reparatur oder für einen Neubau zu erwarten ist. Im Januar trafen sich in Berlin Politiker aus der Region, Vertreter der Bundesregierung, der Deutschen Bahn AG und der Wasserschifffahrtsverwaltung, um über verschiedene Lösungsansätze zu sprechen (siehe Pressemitteilung von Gitta Connemann). Grundsätzlich scheint die Deutsche Bahn AG an einer schnellen Wiederherstellung des Fahrweges und der Fußgänger- und Radwegüberführung interessiert zu sein. Alle besprochenen Lösungen würden im höheren zweistelligen Millionenbereich liegen. Eine Reparatur würde ca. 4-5 Jahre und ein Neubau ca. 4 zusätzliche Jahre in Anspruch nehmen. Erste Planungsschritte sind jedoch erst Ende 2016 zu erwarten. Auch der Bahnchef Rüdiger Grube äußerte sich im März zum aktuellen Verfahren gegenüber der Ostfriesen-Zeitung: „Für mich ist es überhaupt nicht nachvollziehbar, dass wir dafür fünf Jahre brauchen“ (siehe Artikel der Ostfriesen-Zeitung).
In der Übergangszeit zu einer endgültigen Lösung des Problems wird z.B. von den Einwohnern ein Fährbetrieb gefordert. Dafür wird aktuell eine genaue Kostenaufstellung erstellt, damit Politiker vor Ort eine Diskussionsgrundlage haben, um zu entscheiden, ob sich eine Übergangslösung lohnt bzw. vertretbar ist.